Nischni Nowgorod

Mai 2015
420 km von Moskau
liegt am rechten Ufer der Wolga
Geschichte, Wolga,
traditionelles Handwerk
der schönste Sonnenuntergang
über der Wolga im Kreml
Metropole am Zusammenfluss von der Wolga und Oka
Anna Safronowa
Erlebnisse

  • Zusammenfluss von der Wolga und der Oka von oben beobachten
  • 560 Stufen auf der längsten Treppe von den Kremlmauern zur Wolga zählen
  • das Denkmal für Minin und Poscharski, genau das gleiche wie auf dem Roten Platz, finden
  • sich im traditionellen Handwerk in der alten Stadt Gorodez ausprobieren
1221 als Grenzfestung gegründet, ist Nischni Nowgorod eine der größten Städte an der Wolga und ein wichtiges Wirtschaftszentrum 400 km von Moskau entfernt.
Auf dem Hochufer erheben sich die mächtigen roten Backsteinmauern des Kremls, die in vielerlei Hinsicht an den Moskauer Kreml erinnern, an weitläufigen Anlegestellen liegen Wolgaschiffe, und die Stadt selbst ist ungeachtet des im Jahr 2021 gefeierten 800-jährigen Jubiläums sehr jung, modern und aktiv. In der Umgebung von Nischni Nowgorod befinden sich sehenswerte alte kleine Siedlungen, Zentren des traditionellen Handwerks und die am meisten verehrten russischen Klöster.

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    An der Stelle, wo die Wolga mit einem ihrer größten Nebenflüsse, der Oka, gefüllt wird, liegt die zweitgrößte Wolga-Metropole - Nischni Nowgorod mit mehr als einer Million Einwohnern. Seit Jahrhunderten ist es ein wichtiges kulturelles, industrielles und touristisches Zentrum auf der mittleren Wolga. Die Anreise aus Moskau ist sehr einfach: täglich gibt es Flüge und Schnellzüge, die Reisende und Geschäftsleute mit vollem Komfort für nur 4 Stunden nach Nischni Nowgorod bringen. Auf dem halben Weg von Moskau liegt Wladimir, deswegen können auch die ältesten Städte des Goldenen Rings unterwegs besucht werden: Wladimir, Bogolubowo und Susdal.

    Bitte verwechseln Sie Nischni Nowgorod nicht mit einem anderen Nowgorod – dem Großen (Weliki Nowgorod), der uralten Stadt im Nordwesten Russlands. Nischni bedeutet in diesem Fall „das untere Nowgorod" wegen der „unteren" geografischen Lage im Vergleich zu Weliki Nowgorod

    Kreml in Nischni Nowgorod auf der Wolga in Russland
    Nischni, wie die Stadt einfach im Volk genannt wird, sieht sehr jung aus: nach dem Ausstieg aus dem Zug ist man sofort im Kreislauf der modernen lauten Stadt. Im Jahr 2018 wurden hier einige Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft durchgeführt - ein riesiges Stadion an der Landzunge (Strelka) der Wolga und der Oka erinnert nun an dieses Ereignis.

    Nischni Nowgorod ist eine der wenigen Städte mit U-Bahn in Russland neben Moskau und Sankt Petersburg. Das Netz ist eher nicht breit verzweigt, die Wartezeit auf den nächsten Zug betrifft bis 10 Minuten, Stationen liegen nicht tief, sind aber ziemlich monumental ausgestattet. Schnell fahren wir vom Bahnhof eine U-Bahn-Station auf der Metrobrücke über die Oka zu der Stadtmitte und der Bolschaja Pokrowskaja-Straße. Auf der Fußgängerzone mit gemütlichen Cafés und Sommerveranden ist es schon ruhig und entspannt.

    Im 16. Jahrhundert wurde der Kreml zum Herzen der Stadt und ihrer Verteidigungsfestung. Niemals in der Geschichte konnte er von Feinden erobert werden. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts, als Moskau von polnischen und litauischen Truppen besetzt war, versammelten der Kaufmann Kusma Minin und der Fürst Dmitri Poscharski das Volk bei den Mauern des Kremls in Nischni Nowgorod und befreiten die Hauptstadt.

    Sie kennen diese Volkshelden schon gut – das Denkmal für Minin und Poscharski sahen Sie bestimmt beim Spaziergang am Roten Platz in Moskau in der Nähe der Basilius-Kathedrale. Bewaffnet mit Schild und Schwert sieht man sie auch auf dem Platz der Einheit des Volkes in ihrer Heimatstadt Nischni Nowgorod. Diese einzelne Kopie ist nur 5 cm kleiner als das Original und befindet sich an derselben Stelle, wo der Volksaufstand vor 400 Jahren angefangen wurde.

    Minin und Pozharski Denkmal in Nischni Nowgorod auf der Wolga in Russland
    Minin-und-Poscharski Denkmal
    Als wichtigstes Handelszentrum an der Kreuzung der Wasserstraßen in Richtung Osten und Süden wurde Nischni Nowgorod im 19. Jahrhundert zum Standort der größten und berühmtesten russischen Messe – Makariew Messe. Das Hauptgebäude sieht noch heute feierlich und großartig aus. Die rasche wirtschaftliche Entwicklung der reichen Handelsstadt förderte den Aufschwung in Industrie- und Stadtbau: in Nischni Nowgorod wurden mehrere Fabriken gebaut, die erste elektrische Straßenbahn in Russland in Betrieb genommen, eine Eisenbahnstrecke angelegt, eine Dampfschifflinie und ein Frachthafen eröffnet sowie prächtige Gebäude des Theaters und der Börse errichtet. Zu Sowjetzeiten befanden sich hier die wichtigsten Maschinenbau- und Militärwerke, deswegen war Nischni jahrzehntelang für Ausländer geschlossen. Erst im Jahr 1991 wurde Nischni Nowgorod wieder geöffnet, so dass alle Reisenden unterwegs nach Osten oder auf der Wolga es besuchen können.

    Wolga. Am ersten Tag geht es unbedingt zur Uferpromenade. Das historische Stadtzentrum liegt auf einem hohen Erdwall. Um hinunter zu gelangen, muss man 560 Stufen der berühmten Tschkalow-Treppe entlang zurücklegen. Sie trägt den Namen des sowjetischen Pilots Waleri Tschkalow, der im Juni 1937 einen Rekordflug über den Nordpol von Moskau nach Vancouver (USA) (bekannt als „Stalin-Route") unternommen hat. Wir zählen die Stufen vom Tschkalow-Denkmal ganz oben nach unten zum Denkmal für das Heldenboot, das am Zweiten Weltkrieg teilgenommen hat.

    Tschkalow Treppe in Nischni Nowgorod auf der Wolga in Russland
    Tschkalow Treppe
    Dem breiten Kai entlang geht es in Richtung der Strelka spazieren. An den Anlegestellen sind kleine Boote und auch große Kreuzfahrtschiffe, die die Wolga stromauf nach Sankt Petersburg und stromab nach Astrachan befahren. Am Flusshafen vorbei und wieder hoch zu einem der Stadtsymbole, der Maria-Geburt-Kathedrale, oder wie sie häufiger genannt wird, der Stroganow-Kirche. Ihre schlanken Linien mit weißen Steinschnitzereien, bunt verzierten Kuppeln, goldenen Kreuzen und über der Wolga ragenden Wetterfahnen sind ein elegantes Beispiel des üppigen Stroganow Barockstils. Innere Ausstattung ist reich dekoriert und beherbergt das besonders wichtige Heiligtum - alte Ikone eines der am meisten verehrten russischen Heiligen und Schutzpatrons aller Reisenden, Nikolaus des Wundertäters.
    Tipp von Anna: vom Erdwall bei den Kremlmauern aus öffnet sich ein wunderschöner Blick auf den Zusammenfluss der Wolga und der Oka, historisches Zentrum und alte Kathedralen. Nehmen Sie ein kleines Picknick mit und machen Sie eine Pause direkt am Rasen
    am Kreml
    Zu Sowjetzeiten wurde Nischni Nowgorod - wie auch viele andere russische Städte - umbenannt und erhielt den Namen eines seiner bekanntesten Eingeborenen, Maxim Gorki. Kennen Sie diesen Namen? Maxim Gorki ist das Pseudonym des berühmten sowjetischen Schriftstellers Alexei Maksimowitsch Peschkow. Sein Museum ist nun für die Besucher geöffnet und ist nicht nur wegen des literarischen Schaffens von Gorki interessant, sondern auch der ursprünglichen Hausausstattung aus dem Ende des 19. - Anfang des 20. Jahrhunderts. Das bescheidene hölzerne Landgut mit einem kleinen Innenhof, traditionellem Vorraum und einigen Wohnzimmern, in denen der berühmte Schriftsteller mit seiner Familie gelebt, an dem Drama "Nachtasyl" und dem Roman "Mutter" gearbeitet und Freunde empfangen hat. Darunter war auch der große russische Sänger Fjodor Schaljapin.
    Nikolaj Bogdanow-Belski. Porträt von Maxim Gorki. 1940
    Der Spaziergang wird auf einer engen Straße mit gepflegten Kaufmannhäusern und der alten Straßenbahnlinie zur neuen Stadtattraktion – Seilbahn - fortgesetzt. Tatsächlich ist es ein gewöhnliches Stadtverkehrsmittel, das Nischni Nowgorod mit ihrer Satellitenstadt Bor am gegenüberliegenden Ufer der Wolga verbindet. Aber wo noch kann man die Wolga von oben für nur Paar Euro sehen? Die Seilbahn ist sehr populär und wird von vielen Menschen benutzt - die meisten Einwohner von Bor arbeiten in Nischni Nowgorod und "fliegen" täglich über der Wolga eine Strecke von 3,5 km in nur 12 Minuten. Der Höhenunterschied zwischen den Ufern beträgt 62 Meter.

    Von oben eröffnen sich malerische Ausblicke auf das Himmelfahrtkloster und Stadtstrände. Unten segeln Boote und am anderen Wolgaufer erheben sich rote Kremltürme und goldene Kuppeln. Panoramablick von allen Seiten!

    Seilbahn über der Wolga in Nischni Nowgorod in Russland
    Über der Wolga

    Gorodez

    Region Nischni Nowgorod ist auch für traditionelles Kunsthandwerk berühmt. Malerei von Chochloma, Matrjoschka von Semjonow, Goldstickerei von Gorodez – alle diesen Symbole Russlands entstanden hier. Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg in die kleine Stadt Gorodez, die 60 km entfernt von Nischni stromauf der Wolga liegt.

    Gegründet im 12. Jahrhundert als Grenzfestung und später eine entwickelte Handels- und Industriestadt ist Gorodez heute eine echte Museumsstadt und Zentrum des traditionellen Volkshandwerks: Malerei, Stickerei und Holzschnitzen. Gemütliche Straßen mit bunt bemalten Häusern verziert mit geschnitzten Fensterläden und zahlreiche Museen, in denen man nicht nur handgemachte Erzeugnisse sehen, sondern auch selbst herstellen und als Souvenir nach Hause mitnehmen kann, laden die Reisenden zu einem entspannten Spaziergang und Bekanntschaft mit der Stadtgeschichte und Traditionen ein.

    Nach Verkostung der lokalen Küche und des aromatischen Kräutertees ist es die Zeit, nach Nischni Nowgorod zurückzukehren. Heute ist ein schöner warmer Frühlingsabend, und vor der Abreise möchten wir wieder das Kreml-Tor betreten – gerade vom Kremlgelände aus öffnet sich der beste Panoramablick auf die Wolga und die Oka im Abendlicht. Unten in der Ferne ist die laute Stadt mit den Autos, die die Brücke überqueren. Hier ist es im Gegenteil sehr schön und ruhig. Man sitzt an der alten Mauer und wartet, bis die glänzende Sonne sich in den Kuppeln widerspiegelt, den letzten warmen Blick in die Wolga wirft und hinter dem Horizont verschwindet.
    Sicht vom Kreml in Nischni Nowgorod auf der Wolga in Russland
    Abendpanorama vom Kreml
    Vielen Dank für die Bilder an Wladimir Konakow
    Einerseits ist Nischni eine alte Stadt mit interessanter Geschichte, dem Kreml und schönen Kirchen, andererseits eine moderne junge Metropole mit belebten Flaniermeilen und hohem Lebenstempo. In dieser Vielfalt an Eindrücken und Stadtbildern liegt die Einheit, die mir sehr gefällt. Dank der günstigen Lage ist es bequem, Nischni Nowgorod während der Reise auf der Wolga, dem Goldenen Ring, östlich nach Kasan und südlich nach Astrachan zu besuchen. Halten Sie hier für ein paar Tage unterwegs
    Reisekarte Nischni Nowgorod Russland
    • REISEPLAN:
    Tag 1 - Schnellzug Moskau - Nischni Nowgorod. Stadtrundgang.
    Tag 2 - Tagesausflug nach Gorodez. Rückfahrt nach Moskau mit dem Zug.


    • EMPFOHLENE REISEDAUER: 1-2 Tage
    • EMPFOHLENE REISESAISON: Mai - September, Dezember - Februar
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